reinhard döhl | gedichte | die vase, blaß, geborgen aus nacht und fahrt und licht
das erloschene
umsonst ist das alte
immer wieder sagen die anderen
ihre ererbten sprüche
BIOGRAPHIE

WIR aber
mit den körpern von göttern
syphilisverseucht
fast zu schlecht zum fraß für streunende hunde

WIR aber
mit den bewegungen gelöster tänzer
unfruchtbar zum späten tanz der marionetten
fast zu deutlich in unseren absichten

WIR aber
mit der seele von kindern
lügendetektoren zeichnen sie ab
fast zu bereit in der gefolgschaft der gläubigen

WIR aber nennen es leben liebe tod
 

LYRIK

aus der abgegriffenen tasche die nacht nehmen
schreiben in den schiefer die schlagworte der zeit
NICHT WIRST DU DICH ÜBERDAUERN
oder
SELBSTMÖRDER GMBH.

aus unleserlichen rezepten die drogen entziffern
zusammensetzen im hochofenhimmel den wänden der neonbars
HAFENSTIMMUNG BEI NACHT
gründen den
BARMIXERTRUST.

aus den verstimmten manualen ein lied heraushören
erheben auch knien zu den gebeten
GOTTES KINDERGARTEN
oder
AUCH SIE DÜRFEN ES NICHT VERSÄUMEN.

dagegen fällt ab einen reim machen
auf schlechtem papier eine strophe bauen
LYRIK ZU AUSVERKAUFSPREISEN
eher gilt
KENNEN SIE DEN SCHON.


[Die Gedichte dieses gegen Benn/Hindemiths "Das Unaufhörliche" geschriebenen Oratoriums waren bis auf zwei Ausnahmen nicht mehr auffindbar.Drucknachweise: BIOGRAPHIE in: etuden, o.O., o.J.; eine türkische Übersetzung (Özdemir Nutku) einer Variante diesesTextes erschien 1959 mit der Widmung Regine için in "dost", Jg 3, H. 17; ferner in "dünya siiri" (Istanbul 1963). LYRIK, ebd.]

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